Die allermeisten Menschen dürften bis Anfang des Jahres 2020 wohl noch nie etwas von Coronaviren gehört haben. Für Experten sind diese Viren, die ihren Namen ihrem kronenartigen Aussehen verdanken, jedoch »alte Bekannte«. Allerdings galten sie bis vor wenigen Jahren als eher harmlose Vertreter, die bei Menschen allenfalls leichte Erkältungssymptome verursachen. Doch das hat sich geändert: Nach SARS und MERS ist SARS-CoV-2 inzwischen das dritte »neuartige Coronavirus«, das eine für Menschen lebensbedrohende Krankheit auslösen kann.
Zu den Personen, die sich schon seit längerem mit — altbekannten wie neuartigen — Coronaviren befassen, gehören die Bioinformatikerinnen und Bioinformatiker um Prof. Dr. Manja Marz von der Universität Jena. Manja Marz leitet das European Virus Bioinformatics CenterExterner Link (EVBC), das an der Jenaer Universität seit 2017 angesiedelt ist. Diesem Zentrum gehören mittlerweile 166 Forscherinnen und Forscher aus 28 Ländern an, darunter sowohl Virologen wie Prof. Dr. Christian Drosten von der Berliner Charité als auch Bioinformatiker.
Werkzeuge für die Corona-Forschung
»Wie die aktuelle Situation sehr eindrücklich zeigt, sind Viren eine ernstzunehmende Gefahr für die menschliche Gesundheit. Das trifft nicht nur für noch zu entdeckende Viren zu, wie jetzt SARS-CoV-2, sondern auch für lange bekannte Viren, die immer wieder neu in unterschiedlichen Weltregionen auftreten«, macht Prof. Marz deutlich. Forschung sei deshalb wichtig. »Obwohl selbst noch in den Kinderschuhen, ermöglicht es die Bioinformatik mit ihren Instrumenten zur Handhabung großer Datenmengen etwa aus Hochdurchsatz-Sequenzierverfahren, viele grundlegende Fragen in der Virologie anzugehen«, so Marz.
Aktuell stehen die Arbeiten am EVBC natürlich ganz im Zeichen von SARS-CoV-2. »Die wissenschaftliche Community hat unheimlich schnell auf das Auftreten des neuartigen Virus reagiert«, sagt Dr. Franziska Hufsky, die wissenschaftliche Koordinatorin des EVBC. Das sei auch wichtig, denn ohne ein möglichst umfassendes Verständnis der Evolution und Pathogenese des Virus ist es vermutlich nicht unter Kontrolle zu bringen. Deshalb werden im EVBC Informationen und bioinformatische Werkzeuge gesammelt, um sie der weltweiten Forschungsgemeinde zur Verfügung zu stellen. Auf seiner Webseite listet das EVBC sämtliche bislang bekannten Tools auf, die speziell auf die Erforschung von SARS-CoV-2 ausgelegtExterner Link sind. Das Spektrum reicht vom einfachen Virennachweis und der Sequenzierung von Virengenomen über die Verbreitung und Evolution bestimmter Viruslinien bis hin zu Werkzeugen, die geeigneten Angriffspunkte für Medikamente ausfindig machen.